Tuesday, 27. january 2009
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17:55
In der kühnen Hoffnung, dass ich Ihr nützlich sein könnte, hat Sabrina mich
gebeten, einen Beitrag für ihr Open-Blog-Projekt ‚Menschen helfen Menschen‘ zu verfassen. Ich habe zugesagt und frage mich nun, womit ich überhaupt behilflich sein kann. Da schau ich mir – ein
wenig wie bei Gedichtinterpretationen früher in der Schule – noch einmal in Ruhe den Projekt-Titel an: Menschen helfen Menschen.
Zentralthema ist also wohl die Hilfe, und zwar die zwischen Menschen. Ist
doch klar. Klar ist das klar. Klar formuliert. Aber was bedeuten die Worte. Was ist ‚Hilfe‘, was ist der ‚Mensch‘?
Die zweite Frage – immerhin eine, die schon Immanuel Kant sich als eine der
Hauptfragen der Philosophie gestellt hat – schiebe ich gleich beiseite. Nicht, weil sie unwichtig wäre. Im Gegenteil: weil sie (für mich und hier) zu kompliziert und vielleicht sogar prinzipiell
unbeantwortbar ist. Alle so genannten Humanwissenschaften plus Religionen, Mythologien und Literaturen mühen sich ja, diese Frage wenigstens teilweise zu beantworten. Und jeder, der sich anmaßt,
Menschen helfen zu wollen – denn in gewissem Sinne ist es eine Anmaßung, wie wir noch sehen werden -, sollte sich zumindest anstrengen, möglichst viel über die zu lernen, denen er da helfen
will.
Mag auch jeder Mensch verschieden sein, vieles Gemeinsames haben sie doch.
Ja, ich denke, man kann das Individuelle im Menschen erst verstehen, wenn man das Kollektive in ihm kennt. Nur über die Anerkennung seiner Individualität aber kann man einem Menschen wirklich
helfen. Will man also einem Menschen helfen, muss man das Kollektive in ihm bedenken, seine Biologie, Soziologie, Psychologie, Neurologie, all die Bereiche, in denen er ‚naturgesetzmäßig‘
funktioniert. Nur so gelangt man in den Bereich seiner ‚Existenz‘, ohne seine Seele zu vergewaltigen.
Und was ist Hilfe? Ich hoffe, Ihr erwartet von mir keine definitive Antwort.
Vielleicht ist es möglich, ‚Hilfe‘ philosophisch zu umkreisen, zu umtanzen – und den ein oder anderen Blick auf sie zu erhaschen.
So viel noch heute für den Anfang: Hilfe impliziert, denk ich, eine
Relation, und zwar zwischen dem, der hilft, und dem, dem geholfen wird. Beide aber – mindestens im Rahmen von Sabrinas Projekt – sind Menschen. Helferin und Hilfebedürftige sind ihrer Rolle nach
wesentlich unterschieden, und doch sind beide wesentlich Menschen, also gleich. Wie geht das zusammen? Wie lässt sich legitimieren, dass man einem anderen hilft? Hier stellt sich die Frage der
Anmaßung. Und vermeintliche Hilfe kann auch viel Unheil anrichten. Und wie kann man legitimieren, dass man sich helfen lässt? Man kann ja auch dauernd nach Hilfe schreien, weil man keine eigene
Verantwortung übernehmen will. Der Helfer soll dann sagen, was man tun soll. Und wenn er klug ist und es nicht tut, dient er immerhin als Ausweis eigener Hilflosigkeit und entlastet symbolisch
von der eigenen Existenz.
Und dennoch ist offensichtlich, dass man häufig helfen muss bzw. müsste,
dass viele Menschen Hilfe brauchen und ihnen oft auch geholfen werden kann.
Mehr dazu vielleicht später…
Copyright: Matthias Pleye, 2009
Matthias Pleye ist Historiker und Autor und veröffentlicht in seinem Blog ‚Gedankenpflug‘
(www.gedankenpflug.com) Kommentare zum Zeitgeschehen, Aphorismen,
Berlin-Fotos und vieles mehr.
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